Das Fell und das Langhaar eines Pferdes sind weit mehr als nur optische Merkmale, sie sind der Spiegel des Stoffwechsels, des Hormonhaushalts und der Nährstoffversorgung. Ein gesundes Pferd verfügt über ein glänzendes, glattes Fell, das sich elastisch anlegt, sowie über kräftiges, dichtes Schweif und Mähnenhaar. Zeigt sich das Haarkleid hingegen stumpf, struppig, matt oder neigt es zu Schuppenbildung und Haarausfall, liegt die Ursache fast immer im Inneren des Organismus.
Die Haut ist das größte Organ des Pferdes. Sie erfüllt lebenswichtige Aufgaben wie die Thermoregulation, Wärme und Kälteschutz, die Abwehr von Krankheitserregern und die Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten. Da vitale Organe wie Herz, Leber und Nieren bei einer Unterversorgung mit Nährstoffen im Körper immer Priorität haben, spart der Organismus bei Engpässen zuerst an den "unwichtigen" Strukturen: Haut, Hufen und Fell. Ein glanzloses Fell ist daher das erste sichtbare Warnsignal dafür, dass im Körper ein Ungleichgewicht herrscht.
Die biologischen Phasen: Der Fellwechsel als metabolische Höchstleistung
Der Fellwechsel im Frühjahr und Herbst gehört zu den anstrengendsten Phasen im Jahr eines Pferdes. Viele Besitzer glauben, dass der Temperaturwechsel den Fellwechsel auslöst. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Der Hauptimpulsgeber ist die Fotoperiode, also die Veränderung der Tageslichtlänge. Nimmt das Tageslicht ab, nach der Sommersonnenwende, signalisiert die Zirbeldrüse im Gehirn über die Ausschüttung von Melatonin dem Körper, dass es Zeit für das Winterfell ist. Im Spätwinter, wenn die Tage länger werden, wird der umgekehrte Prozess eingeleitet.
Dieser hormonell gesteuerte Prozess verlangt dem Stoffwechsel Enormes ab. Für die Produktion von Millionen neuer Haare müssen gewaltige Mengen an Proteinen (vor allem Aminosäuren wie Methionin und Cystein), Energie, Vitaminen und Spurenelementen bereitgestellt werden.Der Frühjahrsfellwechsel: Er ist für den Organismus meist anstrengender als der im Herbst. Das dichte, talgreiche Winterfell muss abgestoßen werden, während gleichzeitig das Sommerhaar wächst. Alte, chronisch kranke oder stoffwechselgestörte Pferde (z. B. mit PPID / Cushing) geraten hier schnell an ihre Grenzen. Sie magern ab, wirken lethargisch und das Immunsystem fährt herunter, was sie anfälliger für Infekte macht.
Der Herbstfellwechsel: Hier muss das Pferd in kurzer Zeit eine dichte Isolationsschicht aufbauen. Schafft es das nicht ausreichend, verbraucht es im Winter zu viel Energie für die Aufrechterhaltung der Körpertemperatur.
Während dieser Phasen ist der Bedarf an Zink, Kupfer, Mangan, Selen und B-Vitaminen um ein Vielfaches erhöht. Wird die Fütterung nicht rechtzeitig angepasst, zieht der Körper diese Stoffe aus den Speichern, z. B. den Knochen und der Leber, was zeitverzögert zu schweren Mangelerscheinungen führt.
Stumpfes Fell und matte Mähne: Ursachenforschung
Wenn der Glanz fehlt, gilt es, systematisch nach der Ursache zu suchen. Ein stumpfes Haarkleid entsteht, wenn die Schuppenschicht des einzelnen Haares nicht flach anliegt, sondern aufgeraut ist. Dadurch wird das Licht nicht mehr reflektiert, sondern gestreut – das Fell wirkt matt. Zudem fehlt es oft an der schützenden Sebumschicht (Hauttalg), die das Haar geschmeidig hält. Die häufigsten Auslöser im Überblick:
1. Nährstoffmangel und Imbalancen im Mineralfutter
Ein Mangel an spezifischen Spurenelementen ist der Klassiker bei Fellproblemen. Vor allem Zink ist essenziell für die Zellteilung und die Keratinsynthese, die Bildung von Horn und Haar. Ein Zinkmangel führt zu Schuppen, Haarausfall und verzögertem Fellwechsel. Auch Kupfer spielt eine entscheidende Rolle: Es ist an der Pigmentierung des Haares beteiligt. Ein Kupfermangel zeigt sich oft in einer Verfärbung des dunklen Fells (z. B. der sogenannte "Kupferhuf" oder rötliche Spitzen bei Rappfell) sowie in einer sogenannten "Brille", Haarausfall/Ergrauen rund um die Augen.
2. Belastung von Leber und Darm
Die Leber ist das zentrale Entgiftungsorgan des Pferdes. Ist sie überlastet, sei es durch Umweltgifte, Schimmelpilze im Heu, Medikamente wie Wurmkuren oder Antibiotika oder eine Überfütterung mit Stärke und Eiweiß , zeigt sich das oft prompt im Fell. Ein "Leberfell" ist stumpf, riecht manchmal leicht süßlich-muffig und neigt zu fettigen Schuppen. Ebenso verhält es sich mit dem Darm. Ein gesundes Mikrobiom (Darmflora) synthetisiert wichtige B-Vitamine,z. B. Biotin, die für das Haarwachstum gebraucht werden. Liegt eine Dysbiose, Fehlbesiedlung des Darms, z. B. durch Kotwasser oder Aufgasungen vor, bricht diese Eigenproduktion ein.
3. Parasitenbefall (Endo- und Ektoparasiten)
Ein starker Befall mit Magen-Darm-Würmern entzieht dem Pferd wichtige Nährstoffe und schädigt die Darmschleimhaut, sodass Vitamine und Mineralstoffe nicht mehr resorbiert werden können. Das Ergebnis ist das typische "Wurmfell": struppig, glanzlos, oft gepaart mit einem aufgeblähten Bauch (Hungerbauch). Aber auch Außenparasiten wie Haarlinge, Milben oder Läuse irritieren die Haut. Das Pferd scheuert sich, was zu kahlen Stellen an Mähne, Schweifrübe und Flanken führt.
4. Hormonelle Erkrankungen
Erkrankungen wie das Equine Cushing Syndrom (PPID) greifen massiv in den Fellstoffwechsel ein. Durch den Adenom-bedingten Überschuss an ACTH und Cortisol verändert sich die Haarstruktur. Typisch sind langes, lockiges Fell, das im Sommer nicht ausfällt, sowie ein extrem verzögerter Fellwechsel. Auch das Equine Metabolische Syndrom (EMS) und eine damit einhergehende Insulinresistenz belasten den Stoffwechsel und stören die Durchblutung der Hautdrüsen.
Das Fundament für maximalen Glanz: Fütterung und Haltung
Um Fell und Mähne zum Strahlen zu bringen, muss an den Grundlagen angesetzt werden. Kosmetische Sprays überdecken das Problem nur temporär; echter Glanz kommt von innen.
Die Basis: Raufutter in Spitzenqualität
Das wichtigste Futtermittel ist und bleibt qualitativ hochwertiges Heu. Es liefert die Rohfaser, die die Darmbakterien benötigen, um Fettsäuren und B-Vitamine zu produzieren. Schimmeliges oder staubiges Heu belastet die Leber und das Immunsystem, was sich sofort im Hautbild niederschlägt. Heu sollte zudem ad libitum zur Verfügung stehen.
Hochwertige Aminosäuren
Haare bestehen zu über 90 % aus Keratin, einem faserartigen Protein. Für dessen Aufbau benötigt das Pferd schwefelhaltige Aminosäuren. Ist das Eiweiß im Heu minderwertig oder reicht die Menge nicht aus, fehlt dem Haar der Baustoff. Hochwertige Proteinquellen wie reines Aminosäuren-Pulver Lysin, Methionin, Threonin, Hanfsamen oder Algen können hier gezielt unterstützen.
Essenzielle Fettsäuren: Öle richtig füttern
Öle sind ein bewährter Zusatz für den Fellglanz. Sie liefern essenzielle Fettsäuren, die der Körper nicht selbst herstellen kann. Wichtig ist hier das Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren. Ein Überschuss an Omega-6, z. B. in Sonnenblumenöl oder Keimö, kann entzündliche Prozesse im Körper fördern. Omega-3-Fettsäuren hingegen wirken entzündungshemmend und unterstützen die Elastizität der Zellmembranen in der Haut.
Leinsamen / Leinöl: Der absolute Spitzenreiter. Leinöl hat einen sehr hohen Anteil an Alpha-Linolensäure, Omega-3. Es sorgt für eine geschmeidige Haut und einen brillanten Tiefenglanz. Leinsamen sollten entweder thermisch behandelt (geschrotet/gekocht) oder als fertiger Granulat-Muck gefüttert werden, um die enthaltene Blausäure zu deaktivieren
Hanföl: Ebenfalls hervorragend geeignet, da es zudem Gamma-Linolensäure enthält, die juckreizlindernd bei Ekzemern wirkt.
Fütterungshinweis: Öle müssen langsam eingeschlichen werden, da das Pferd keine Gallenblase besitzt und die Leber sich erst an die Fettverdauung anpassen muss. Mehr als 50 bis 100 ml pro Tag, bei einem Großpferd sollten dauerhaft nicht gegeben werden.
Gezielte Kräuterfütterung für Haut, Haar und Stoffwechsel
Kräuter sind eine hervorragende Möglichkeit, den Fellstoffwechsel, die Entgiftungsorgane und das Hautimmunsystem auf natürliche Weise zu unterstützen. In der freien Natur würden Pferde gezielt selektieren und tiefwurzelnde Kräuter fressen, die reich an sekundären Pflanzenstoffen, Kieselsäure und Spurenelementen sind. Da unsere heutigen Weiden meist artenarm sind, ist eine gezielte Zufütterung absolut sinnvoll.
1. Kräuter für die Leber- und Nierenentgiftung
Da Haut- und Fellprobleme oft sekundäre Folgen einer überlasteten Leber sind, empfiehlt sich zweimal im Jahr, idealerweise zu Beginn des Fellwechsels im Spätwinter und Spätsomme, eine kurweise Entgiftung über 4 bis 6 Wochen.
Mariendistelsamen: Der Wirkstoffkomplex Silymarin schützt die Leberzellen vor Giften, stabilisiert die Zellmembranen und kurbelt die Regeneration des Lebergewebes massiv an. Mariendistelsamen sollten im Idealfall leicht gemahlen gefüttert werden.
Löwenzahnwurzel und -kraut : Löwenzahn ist reich an Bitterstoffen, die den Gallenfluss, beim Pferd direkt in den Zwölffingerdarm, und den gesamten Leberstoffwechsel anregen. Zudem wirkt er stark harntreibend, was die Ausscheidung von Stoffwechselabbauprodukten über die Nieren beschleunigt.
2. Kräuter zur Stärkung von Gewebe, Mähne und Hufen (Kieselsäure-Lieferanten)
Kieselsäure besteht zu einem großen Teil aus Silicium. Dieses Spurenelement ist der Hauptbaustein für das Bindegewebe, die Hautelastizität und die Festigkeit von Haar und Horn. Es sorgt dafür, dass die Mähne kräftig nachwächst und weniger bricht.
Brennnessel: Neben Kieselsäure enthält die Brennnessel viel pflanzliches Eisen, Vitamin C und Flavonoide. Sie wirkt stoffwechselanregend, blutreinigend und fördert die Durchblutung der Hautkapillaren, wodurch Nährstoffe besser an die Haarwurzeln gelangen. Viele Pferde fressen sie gern, wenn man sie mäht und einen Tag antrocknen lässt.
3. Kräuter bei Juckreiz, Schuppen und Ekzem (Hautberuhigung)
Pferde, die zu Hautirritationen, Sommerekzem oder starker Schuppenbildung an der Mähnenbürste neigen, profitieren von Kräutern, die das Immunsystem modulieren und Entzündungsmediatoren dämpfen.
Klettenwurzel: In der traditionellen Kräuterkunde gilt sie als das "Hautkraut" schlechthin. Sie wirkt blutreinigend, antibakteriell und hilft dem Körper, chronische Hautprozesse, Schuppung und Flechten von innen heraus abzuheilen.
Stiefmütterchenkraut: Es enthält Salicylsäurederivate und Flavonoide. Es wird spezifisch bei entzündlichen Hauterkrankungen und allergischen Hautreaktionen eingesetzt, da es den Juckreiz lindert.
Kamillenblüten: Sie wirken beruhigend auf den Magen-Darm-Trakt. Da die Haut oft der Spiegel des Darms ist, hilft die Kamille indirekt, das Hautbild zu harmonisieren und nervös bedingten Juckreiz zu mindern.
Praktischer Leitfaden zur Kräuterfütterung
Dauer: Kräuter sollten nicht dauerhaft gegeben werden, da sonst ein Gewöhnungseffekt eintritt oder manche Wirkstoffe die Organe überlasten können. Optimal sind Kuren von 4 bis maximal 8 Wochen.
Dosierung: Für ein Großpferd (ca. 600 kg) liegt die tägliche Dosis je nach Kraut meist zwischen 30 und 50 Gramm der getrockneten Pflanze. Bei Kräutermischungen ist die Herstellerangabe zu beachten.
Pflegefehler vermeiden: Warum weniger oft mehr ist
Stumpfes Fell und brüchige Mähnenhaare sind überraschend oft "hausgemacht" und das Resultat übertriebener Pflege. Die Haut des Pferdes besitzt einen natürlichen Schutzfilm aus Talg, Fett und nützlichen Mikroorganismen. Dieser Film hält die Haut geschmeidig und blockiert das Eindringen von Pilzen und Bakterien.
Das Problem mit Shampoos
Häufiges Waschen mit parfümierten Shampoos – selbst wenn sie für Pferde deklariert sind – entzieht der Haut die Lipide und zerstört den pH-Wert. Die Haut trocknet aus, rückt mit einer Überproduktion von Schuppen nach, und das Fell verliert seinen natürlichen Glanz, weil die schützende Fettschicht fehlt.
Die Lösung: Waschen Sie das Pferd im Sommer idealerweise nur mit klarem Wasser ab, um Schweißkrusten zu lösen. Shampoos sollten die absolute Ausnahme sein, z. B. vor Turniere, und müssen zwingend rückfettend und pH-neutral sein.
Putzen: Massage statt reiner Reinigung
Das tägliche Putzen ist nicht nur dazu da, den Sattelbereich sauber zu bekommen. Das Striegeln mit einem Gummistriegel übt eine tiefe Bindegewebsmassage aus. Es kurbelt die Durchblutung der Haut massiv an. Dadurch werden die Haarfollikel (die Haarwurzeln) besser mit Sauerstoff und den über das Blut transportierten Nährstoffen versorgt. Zudem wird der körpereigene Talg gleichmäßig von der Haut in die Haarlängen verteilt – das ist der natürlichste und effektivste Glanzbohrer überhaupt.
Mähnen- und Schweifpflege
Das tägliche, rücksichtslose Bürsten von Mähne und Schweif zerstört die Haare. Ein ausgerissenes Schweifhaar braucht Jahre, um wieder seine volle Länge zu erreichen.
Besser: Verlesenen Sie den Schweif grob mit den Händen oder nutzen Sie hochwertige Mähnensprays auf Basis von Silikonölen oder natürlichen Ölen nur sparsam. Das Haar sollte vor dem Kämmen gut angetrocknet und entwirrt sein. Bürsten Sie immer von den Spitzen nach oben zum Ansatz hin.
Die Checkliste für den Pferdebesitzer: Spurensuche im Alltag
Verliert das Pferd seinen Glanz oder zeigt Auffälligkeiten an Haut und Mähne, gehen Sie strukturiert folgende Punkte durch:
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Prüfpunkt |
Mögliches Problem |
Maßnahme |
|---|---|---|
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Heuqualität |
Schimmelpilze, Staub, zu wenig Nährstoffe |
Heuanalyse machen, sensorische Prüfung, ggf. Futterwechsel |
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Mineralfutter |
Zink-/Kupfermangel, falsches Ca:P-Verhältnis |
Blutbild analysieren (Spurenelemente), Mineralfutter anpassen |
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Fellwechseldauer |
Stoffwechselblockade, Altersprobleme, PPID |
Leber-Nieren-Kur mit Kräutern, ACTH-Wert vom Tierarzt prüfen lassen |
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Schuppen / Juckreiz |
Wurmbefall, Milben, Zinkmangel |
Kotprobe einschicken, Hautgeschabsel nehmen, Zink kurweise erhöhen |
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Mähnen- & Schweifscheuern |
Sommerekzem, Allergie, Eiweißüberschuss |
Kraftfutter reduzieren, Hanföl füttern, Hautpflege mit Zinksalbe/Kräuterextrakten |
Fazit: Nachhaltiger Glanz ist das Resultat innerer Balance
Ein glänzendes Fell und eine prachtvolle Mähne lassen sich nicht durch Pflegeprodukte erzwingen. Sie sind das sichtbare Endergebnis einer optimal abgestimmten Fütterung, einer artgerechten Haltung und funktionierender innerer Organe. Wenn Sie Ihr Pferd im Fellwechsel mit hochwertigen essenziellen Fettsäuren, den passenden Aminosäuren und einer gezielten Kräuterkur für Leber und Gewebe unterstützen, legen Sie das Fundament für ein langes, gesundes und vitales Pferdeleben. Achten Sie auf die Zeichen, die das Haarkleid Ihnen sendet – es ist der ehrlichste Gesundheitsbericht, den Ihr Pferd Ihnen geben kann.
